Die Frage nach dem Verhältnis zwischen dem, was man sieht, dem, was der Künstler mit seiner besonderen Beobachtungsgabe, seiner Sensibilität und seinem ästhetischen Bewusstsein erkennt,
und dem, was er gestaltet, hat bereits Künstler wie Cézanne und Klee tief beschäftigt, mit dem Ergebnis: Parallel zur Natur oder analog zu ihr schafft der Künstler oder die Künstlerin etwas gänzlich Neues und Unbekanntes. Unter den Bildern, die Tatjana Valsang für die Räume der Kunsthalle ausgewählt hat, rufen manche vielleicht Formen aus der Natur wie Vögel, Blüten oder Blätter in Erinnerung. Bevor der Betrachter sich auf völlig Unbekanntes einlässt – zu dem diese Bilder eigentlich
einladen –, sucht er noch Hilfe bei benennbaren Formen aus Flora und Fauna.
Denn wie ein Dichter sein Gedicht schreibt oder der Komponist sein Lied, genau in dieser Weise setzt Tatjana Valsang als Malerin Farbe und Leinwand ein, um in ihrer Sprache Neues zu schaffen und der Welt damit etwas hinzuzufügen. Der polyfokale Raum, die geordnete Strichführung, die gegenläufige Bewegung, der Rhythmus, der lang gezogene Ton, die Melodie oder die amöbenartige Form, die den Betrachter durch unbekannte Räume geleitet –unversehens fühlen wir uns in eine Zwiesprache
versetzt: Ich und das Bild.
Zur Ausstellung erscheint ein Katalog
Tatjana Valsang. Maltext
Texte von Martin Engler, Gerhard Finckh,
Durs Grünbein und Kirsten Voigt,
Deutsch/Englisch, 144 Seiten, ca. 40 Abbildungen
StrzeleckiBooks, Köln
im Buchhandel: 29,80 (D), 42 CHF
im Museum: 20 Euro